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Schneckenbuntbarsche aus dem Tanganjikasee
Teil II: Lamprologus speciosus

Text und Fotos: Alexander Maassen

Schneckenbuntbarsch ist nicht gleich Schneckenbuntbarsch

Im ersten Teil meiner kleinen Haltungsberichte ging es um den häufig in den Zoohandlungen anzutreffenden Neolamprologus multifasciatus (Boulenger, 1906). Die kleinen Fische sind sehr gesellig, bilden Kolonien und sind die reinsten geschuppten Maulwürfe - nichts ist vor ihrer Wühlerei sicher.

In diesem zweiten Teil geht es nun um Lamprologus speciosus Büscher 1991. Auch diese Tiere zählen zu den Schneckenbuntbarschen des Tanganjikasees, doch in vielen Punkten ist ihr Verhalten dem der zuvor beschriebenen N. multifasciatus gradezu entgegengesetzt. Dies ist nicht unbedingt überraschend, denn der Begriff "Schneckenbuntbarsch" bezieht sich nur auf die Fortpflanzungsstrategie, sprich die Wahl der Kinderstube. In ihrem sonstigen Verhalten sind die Tiere - zumindest zum Teil - sehr unterschiedlich, wie ich mit diesem Erfahrungsbericht deutlich machen möchte.

Lamprologus speciosus

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus beim Drohen

L. speciosus trägt nicht umsonst den Namen "Wohlgestaltet".

Lamprologus speciosus wurde erst 1991 von Büscher wissenschaftlich beschrieben. Teilweise findet man die Tiere auch unter der Bezeichnung Neolamprologus speciosus. Verglichen mit N. multifasciatus handelt es sich also um eine relativ neue Art, die noch nicht so oft im Handel zu finden ist. Dies ist mehr als unverständlich, denn L. speciosus ist meiner persönlichen Meinung nach der mit Abstand schönste Schneckenbuntbarsch des Tanganjikasees. Das ich mit der Meinung nicht alleine stehe, drückt auch der wissenschaftliche Name der Tiere aus, denn speciosus bedeutet "wohlgestaltet".

Laut Fishbase wurde er bisher im Tanganjikasee nur in der Demokratischen Republik Kongo gefunden. In den gängigen Büchern über die Barsche des Tanganjikasees taucht er bedauerlicherweise auch nur sehr selten auf. Wenn er denn einmal erwähnt wird, findet man häufig nicht sehr viel mehr als in Brichards "Atlas der Tanganjikasee Cichliden" (1999):

"Neben N. ocellatus und N. meleagris handelt es sich hier um die dritte Art einer Gruppe sehr ähnlicher Fische, näheres siehe dort. Die Ansprüche an die Pflege stimmen überein, ebenso wie die Fortpflanzungsweise; weiteres ist nicht bekannt."

Auch Dr. W. Staeck stellt in seinem sehr guten Artikel über das Verhalten verschiedener Schneckenbuntbarsche (Staeck 2002a) L. speciosus in eine Gruppe mit dem bekannten Lamprologus ocellatus. Ferner rechnet er dieser Gruppe sowohl im Verhalten als auch in den Ansprüchen sehr ähnlicher Tiere Lamprologus meleagris und Neolamprologus wauthioni zu. Alle genannten Arten gehören zu den eher kleinen Schneckenbuntbarschen. Die Männchen werden bis zu 6 cm groß, die Weibchen bleiben etwa 2 cm kleiner (Staeck 2002a).

Der wohlgestaltete Lamprologus

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Jungtier

Jungtier von L. speciosus. Sehr gut sind die schwarz-weissen Muster an der Rückenflosse und der Augenfleck zu erkennen.

Von den von Staeck in eine Gruppe gestellten Tieren habe ich persönlich nur L. speciosus gehalten. Anhand der Fotos kann man vielleicht erahnen, warum ich mich auf den ersten Blick in diese Tiere verliebt habe. Die Tiere haben einen mehr oder weniger dunkelbraun, teilweise fast schwarz gefärbten Rücken. Der Bauchbereich ist heller, irgendwo zwischen hellbraun und cremefarbenen. Insgesamt erscheinen sie damit dunkler gefärbt als die meisten anderen mir bekannten Schneckenbuntbarsche. Auf den Körperseiten zeigt sich ein wunderschöner violetter Glanz. Je nach Lichteinfall leuchtet dieser von Blau bis hin zu Rosa. Auf den Kiemendeckeln finden sich Scheinaugen, ähnlich wie bei L. ocellatus, der ihnen seinen Namen "mit Augen versehen" verdankt. Es handelt sich um einen schwarzen Fleck auf den Kiemendeckeln, der von einem intensiven blauen Glanz gesäumt wird. Ebenfalls wie bei L. ocellatus sind die Ansätze der Brustflossen gelb gefärbt.

Anhand der unpaarigen Flossen lassen sich die Tiere am besten von den anderen, ähnlichen Schneckenbuntbarschen der Gruppe unterscheiden. Bei L. speciosus sind die unpaarigen Flossen, insbesondere die Rückenflosse, mit weißen Flecken gemustert und mit einem charakteristischen Muster aus abwechselnd hellen und dunklen Streifen gesäumt. Auch L. meleagris weist helle Punkte auf seiner Rückenflosse auf, jedoch ohne den charakteristischen schwarz-weissen Saum. Gleiches gilt für N. wauthioni, dem zusätzlich noch der Glanz auf den Seiten fehlt. L. ocellatus ist dagegen anhand seiner weitgehend ungezeichneten Rückenflosse zu erkennen (Staeck 2002a).

Wie bereits erwähnt, habe ich von den scheinbar ähnlichen Tieren um L. ocellatus nur die L. speciosus gehalten. Ferner halte ich nur ein Paar der wunderschönen Tiere, daher beziehen sich alle folgenden Ausführungen nur auf meine persönlichen Erfahrungen. Bei meinem Paar zeigt das Mänchen eigentlich fast immer nur die zuvor beschriebene Färbung. Das Weibchen dagegen zeigt eine stimmungsabhängige Färbung. Zur Balz und während der Brutzeit weist sie fast gelbe Flecken auf dem Rücken auf und sie erscheint insgesamt viel heller. Auch nachts zeigt sie eine vollkommen andere Färbung, wie auf den Bildern weiter unten zu erkennen ist. Beim Männchen sind diese Farbwechsel nur so schwach ausgeprägt, dass sie kaum zu erkennen sind.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen in normaler Zeichnung

Das zuvor beschriebene "normale" Farbkleid meines Weibchens von L. speciosus.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen in Balzfaerbung

Zeigt das Weibchen helle, fast gelbe Flecken auf dem Rücken, bleibt das Männchen meist in ihrer Nähe. Meiner Erfahrung nach dauert es dann nicht lange, bis das Weibchen für eine Weile in ihr Schneckenhaus verschwindet und sich um die Brut kümmert. Es scheint sich also um eine Balz- und Brutfärbung zu handeln.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen in Schlaffaerbung

Auf dem Bild links ist das Weibchen nachts fotographiert worden. Ihre Färbung ähnelt der Brutfärbung, wirkt allerdings insgesamt bis auf einige dunkle Stellen fast "ausgebleicht". Auf den ersten Blick fällt es schwer zu glauben, dass alle drei Bilder dasselbe Tier zeigen.

Beckeneinrichtung und Wasserwerte

Will man diese kleinen Gesellen pflegen, braucht es wie für alle Fische aus dem Tanganjikasee eher alkalisches und sehr hartes Wasser. Als Bodengrund ist wieder Sand Pflicht, in den die Tiere ihre Schneckenhäuser eingraben können. Steinaufbauten und Pflanzen sind wichtig, um Sichtgrenzen und Rückzugsgebiete zu schaffen, selbst wenn man nur ein Paar hält! Im Gegensatz zu den N. multifasciatus buddeln die Tiere jedoch kaum, so dass man auch am nächsten Morgen die Beckeneinrichtung so wiederfindet, wie man sie am Abend vorher verlassen hat. Trotzdem ist es immer eine gute Idee, grade höhere Steinaufbauten zu sichern.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Maennchen auf Wachposten

Mein Männchen von L. speciosus.

Eine reiche Auswahl an Schneckenhäusern sollte im gesamten Becken verteilt sein. Wie bereits im ersten Teil geschrieben, sind auch die Häuser von Weinbergschnecken gut geeignet. Ein Schnäppchen kann man entweder bei Liebhabern der Delikatesse machen, in den entsprechenden Feinkostläden oder aber bei Ebay. Auch hier nochmal die aus eigener Erfahrung stammende Warnung, dass man grade bei letzeren Angeboten mit einer unempfindlichen Nase gesegnet sein sollte. Ansonsten gibt es die Häuser auch gereinigt und geruchsneutral im gut sortierten Aquaristikfachhandel. Wer etwas sucht, findet dort auch die "originalen" Häuser der Neothauma-Schnecken aus dem Tanganjikasee. Diese sind jedoch teurer und nicht unbedingt notwendig.

Ein Becken für L. speciosus sollte nicht zu klein sein, auch wenn die Tiere selber nicht sehr groß werden. In meinem 1,20 m Becken hat sich mein Paar gut 2/3 der Beckenlänge als Revier gesichert und selbst gegen die aus immer mehr Tieren bestehende Kolonie von N. multifasciatus behauptet! Vorsicht ist insbesondere dann geboten, wenn ähnlich aussehende Tiere wie L. ocellatus im selben Becken gehalten werden. Auf diese scheint sich die starke innerartliche Aggression der L. speciosus zu übertragen.

Klein aber OHO!

L. speciosus erscheinen in Bezug auf ihre Aggressivität teilweise sehr widersprüchlich. Grade darin liegt jedoch auch ein besonderer Reiz dieser "Giftzwerge". Ich habe die Tiere nicht als Paar gekauft, sondern einfach im Rahmen meines Anfangsbesatzes ein Männchen mit einem Weibchen vergesellschaftet. Nach dem Einsetzen konnte ich über den Hinweis des Händlers bezüglich ihrer Aggressivität nur den Kopf schütteln. Selbst die Cyprichromis waren deutlich forscher! Während das Männchen sich noch in den Ecken rumdrückte, hat das Weibchen immerhin schonmal ein Schneckenhaus in Beschlag genommen, möglichst weit weg von den N. multifasciatus, wie es auch geplant war. Nach etwa einem Tag entdeckte der Herr seine Dame dann, was in ihm wohl einen Hormonschub ausgelöst hat.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Maennchen schaut aufmerksam

Wer kann diesem Herrn schon widersprechen?

Oder sollte man eher von einem Kurzschluß reden? Mehr als einmal bin ich dazwischen gegangen, um die wütenden Beissereien zu unterbrechen - ich hatte ernsthaft Sorgen, dass es einer der beiden nicht überlebt! Durch Einfügen von zusätzlichem Sichtschutz versuchte ich, das Schlimmste zu verhindern, doch der Erfolg war stets nur von kurzer Dauer. Und grade, als ich zu dem Schluß gekommen war, dass der Händler zwar doch Recht mit der Aggressivität hatte, aber sich wohl im Geschlecht geirrt und mit zwei Männchen verkauft hat, war auf einmal Ruhe...

Man kann nicht grade davon sprechen, dass die beiden ein Herz und eine Seele sind. Sie halten bis heute die meiste Zeit über Abstand zueinander, gehen aber doch fast zärtlich miteinander um. Gut die Hälfte des Gesamtreviers beansprucht das Männchen, die restliche Hälfte geht an das Weibchen. Gegenüber anderen Tieren verhalten sie sich eigentlich recht friedlich, bisher gab es im Gegensatz zu den N. multifasciatus noch keine Verluste durch die beiden. Sie brauchen auch gar nicht aggressiv zu werden - die anderen haben einen Riesenrespekt vor ihnen entwickelt. Selbst die N. multifasciatus haben sich in ihre Häuser verkrochen oder sind kampflos aus dem Revier geflohen, wenn Herr Speciosus sich mitten in der Kolonie kurz zur Ruhe niederlassen wollte!

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Junge beim Drohen

Früh übt sich, wer ein Meister der Abschreckung werden will...

Das Revier wird im Gegensatz zu den N. multifasciatus auch kaum in der Höhe verteidigt, so dass sich meine Cyprichromis in der Regel ungestört über den L. speciosus aufhalten können. Sollte doch mal jemand den Beiden zu nahe kommen, werden die Flossen aufgestellt, der Kopf gesenkt und die Kiemendeckel mit den leuchtenden Scheinaugen weit abgespreizt. Zusammen mit den kräftigen Zähnen überzeugt dieser wirklich beeindruckende Anblick die meisten anderen Fische, den Rückzug anzutreten. Bei ganz hartnäckigen Eindringlichen reicht spätestens die Andeutung eines schnellem Rammstoßes, um sein Interesse an einem anderen Aufenthaltsort zu wecken. Wer nicht weicht, muß mit ernsten Konsequenzen rechnen - dabei ist den kleinen Barschen auch egal, wie groß der "Eindringling" ist. Bei den Pflegearbeiten im Aquarium greift grade das Weibchen regelmäßig meine Finger an, die sich naturgemäß von der Drohung nicht beeindrucken lassen. Und man merkt den Biss deutlich, besonders nachdem sie gelernt hat, mir in das Nagelbett der Fingernägel zu beißen... Damit überzeugt sie auch mich, den Rückzug anzutreten.

Nur einmal habe ich das Weibchen wirklich aggressiv gegenüber einem anderen Fisch gesehen. Das Tier hat den fatalen Fehler begangen, vor ihren Augen nach ihrem Nachwuchs zu schnappen. In dem Fall gab sie sich gar nicht erst mit Drohungen ab, sondern ist sofort zum Angriff übergegangen - gut zwei Minuten lang hat sie den Eindringling durch das gesamte Becken gejagt, bis er sie abschütteln konnte. Die anderen Tiere sind währenddessen lieber auf "Tauchstation" gegangen und haben sich versteckt. Ich glaube nicht, dass ihr Opfer den Angriff überlebt hätte, wenn sie ihn schlieslich nicht doch aus den Augen verloren hätte... Naturgemäß ist grade das Weibchen während der Brutzeit etwas aggressiver, doch wenn nicht grade jemand den zuvor beschriebenen fatalen Fehler begeht, bleibt sie recht umgänglich, hält aber zusammen mit dem Männchen die anderen Fische etwas weiter auf Abstand.

Faszinierendes Verhalten

Das Männchen lebt bei mir momentan eher nomadisch. Es hat trotz reicher Auswahl kein bevorzugtes Schneckenhaus und hält sich oft auch in den Höhlen seines Reviers auf. Das Weibchen zeigt dagegen eine sehr starke Bindung an eines der Schneckenhäuser in ihrem Revier. Dabei zeigen sich große Unterschiede zu den N. multifasciatus in der Art, wie die L. speciosus ihre Schneckenhäuser "bezugsfertig" machen. Diese werden in einem genau festgelegten Ritual mit der Öffnung nach oben ausgerichtet und mit Sand getarnt. Dabei lassen sich drei verschiedene Techniken beobachten, die auch von Staeck für L. ocellatus beschrieben (Staeck, 2002b) wurden.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen beim Buddeln

In der ersten Phase wird das Schneckenhaus untergraben. Dies erfolgt ähnlich wie bei den N. multifasciatus, allerdings wird nur solange gegraben, bis die Oberkante des Hauses auf der Höhe des umgebenden Sandes ist. Der im Maul abtransportierte Sand wird nicht zur Revierabgrenzung genutzt, sondern neben dem Schneckenhaus zwischengelagert.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen beim Drehen des Hauses

In der zweite Phase verbeisst sich das Weibchen in der Kante der Schneckenhaus-Öffnung und dreht sie nach oben. (Falls jemand diese Fotoserie genauer anschaut - nicht wundern, dieses Bild stammt aus einer anderen Fotoserie als die restlichen - leider habe ich in der hier gezeigten Serie vom Drehen kein gutes Bild hinbekommen.)

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen beim Tarnen des Hauses mit Sand

Wenn alles ausgerichtet ist, wird der zuvor abgetragene Sand wieder zur Tarnung ueber das Haus gestreut. Dazu schwimmt sie in den Sandwall und verstreut den Sand durch heftiges Schlagen der Brust- und Schwanzflosse nach hinten über das Häuschen.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Weibchen beim Reinigen des Hauses

Zu guter letzt wird das neue Eigenheim geputzt und die angehende Kinderstube auf Hochglanz gebracht. Sand, der ins Schneckenhaus gerutscht ist, wird herausgewedelt. Deutlich ist zu erkennen, dass von dem Haus nur noch die Öffnung aus dem Sand ragt.

Staeck (2002b) hat geschrieben, dass bei L. ocellatus die Häuser zunächst gedreht und dann untergraben werden. Bei meinem Weibchen ist dies mitunter auch zu beobachten, doch mir erscheint es - zumindest nach den Malen, wo ich es vollständig beobachten konnte - dass das wirkliche Zurechtrücken nach dem Untergraben erfolgt bzw im Wechsel damit. Insbesondere dann, wenn das Schneckenhaus stark im Sand vergraben ist, wird zunänchst gegraben, erst dann gedreht. Sofern ich die Zeit habe, werde ich mich nochmal aufmerksam auf die Lauer legen. Mitunter werden auch mehrere Häuser auf die oben beschriebene Art bezugsfertig gemacht, bevor sich das Weibchen für eines der Häuser entscheidet. Alle liegen jedoch recht dicht beisammen in ihrem Revier und die "Nebenhäuser" werden häufig von ihr wieder zugegraben - zumindest bis zur nächsten Balzzeit.

Treusorgende Eltern

Die Balz kündigt sich bei meinen Tieren durch die beschriebene gelbe Zeichnung auf dem Rücken des Weibchens an. Die eigentliche Balz konnte ich leider bislang noch nicht im Detail beobachten, genauso wenig wie die Eiablage. Das Weibchen scheint das Männchen zu suchen und in ihr Revier zu ihrem Schneckenhaus zu locken. Doch bestimmte, immer wiederkehrende Verhaltensmuster ausser eines angedeuteten Rammstosses durch das Weibchen konnte ich bislang noch nicht erkennen. Bislang war ich mir nie sicher, ob es sich wirklich um die Balz handelt. Das die (vermeintliche) Balz in eine Brutpflege übergegangen ist, erkennt man daran, dass das Weibchen die meiste Zeit in dem ausgewählten Häuschen verbringt und ähnlich dem letzten Bild der Fotoserie oben das Gelege mit frischem Wasser versorgt. Das Männchen hält während dieser Zeit zwar weiterhin Abstand zu seiner Herzdame, zieht jedoch in ein Schneckenhaus oder eine Höhle in ihrer Nähe. Er verteidigt in der Zeit vor allem ihr Revier - allerdings traut sich sowieso kein anderer Beckenbewohner, sich in seiner Abwesenheit an seinem Revier zu vergreifen.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Jungtier

Nachwuchs im Hause Speciosus...

Nach einer Weile tauchen dann an der Öffnung der Kinderstube die ersten "Sandflöhe" auf, wie meine Frau die Kleinen gerne nennt. Anfangs zeigen sich noch Reste des Dottersacks, doch die sind nach kurzer Zeit aufgebraucht. Dann werden die Kleinen auch etwas mutiger und schwärmen aus, die nähere Umgebung zu erkunden. Dabei zeigen sie ein Schwimmverhalten, was eher an hüpfende Flöhe als an einen schwimmenden Fisch erinnert - daher auch unser Name für die Kleinen. Das Weibchen steht dabei stets aufmerksam über der Kinderstube und behält die Umgebung im Blick. Bei einer Störung flüchten sich die Kleinen zunächst in die Kinderstube, später in das nächstgelegene freie Schneckenhaus. Selbst in dieser kritischen Zeit ist das Weibchen eigentlich noch recht umgänglich den anderen Beckenbewohnern gegenüber. Allerdings weist sie sich nähernde Fische auch früher darauf hin, Abstand zu halten. Wie weiter oben beschrieben tun diese gut daran, den auch einzuhalten und vor allem nicht nach dem Nachwuchs zu schnappen.

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus Jungtiere unter der Aufsicht der Mutter

Unter den wachsamen Augen der Mutter erkundet der Nachwuchs die Umgebung.

Der Nachwuchs bleibt auch noch eine ganze Weile im Revier der Eltern. Ab einer gewissen Größe beginnen die Jungtiere dann schon damit, die Schneckenhäuser der Umgebung unter sich aufzuteilen und üben untereinander das korrekte Drohen. Auch die ein oder andere Rauferei kann man beobachten. Solange die Jungtiere im Revier der Mutter waren, war keine neue Balz zu beobachten. Irgendwann dann beginnt sie, den Nachwuchs aus ihrem Revier zu vertreiben, aber selbst dann sind die Tiere immer noch im väterlichen Revier zu finden, wo er weiterhin ein Auge auf sie hat.

Die Jungtiere schliessen sich zumindest zu den Fütterungszeiten zu kleinen Rudeln zusammen. So konnte ich beobachten, dass sie während der Pflegearbeiten im Aquarium, wenn die N. multifasciatus in Deckung gegangen waren, in deren Revier eingedrungen sind. Was sie genau dort gesucht haben kann ich nur vermuten - in der Zeit ist die Kolonie deutlich langsamer gewachsen. Ich nehme also an, dass sie unvorsichtige Jungtiere der N. multifasciatus erfolgreich gejagt haben. Wie die weitere Entwicklung des Verhaltens der Jungtiere aussieht, kann ich jedoch nicht sagen. Ab diesem Zeitpunkt waren sie so groß, dass ich sie aus dem Becken gefangen und abgegeben habe. Vermutlich würde dann die innerartliche Aggression die Oberhand gewinnen - ein Risiko, welches ich in meinem relativ kleinen Becken bislang nicht eingehen wollte.

Fazit

Neolamprologus speciosus bzw. Lamprologus speciosus auf Wachposten

Das Weibchen beim Bewachen ihrer Jungtiere.

Die wunderschönen Lamprologus speciosus sind auch von ihrem Verhalten her äußerst faszinierende Tiere. Die furchtlosen kleinen Barsche wissen sich auch gegen große Tiere (oder die Hand des Pflegers) zu wehren. Doch sie tyrannisieren ihre Mitbewohner im Becken nicht, sondern sind im Gegenteil eher umgänglich. Selbst meine eher zartbesaiteten Cyprichromis halten sich gerne über dem Revier der L. speciosus auf. Wenn den L. speciosus jemand zu nahe kommt, reicht meist eine "freundliche" Aufforderung mit aufgerichteten Flossen, um die anderen zum Rückzug zu bewegen - das macht sie in meinen Augen sehr sympatisch. Die Aggressivität zeigt sich vor allem innerartlich, weshalb das Becken deutlich größer sein sollte als beispielsweise für N. multifasciatus. Auch bei der Vergesellschaftung mit ähnlichen Schneckenbuntbarschen wie L. ocellatus sollte man vorsichtig sein. Ich halte meine Tiere paarweise, nach Staeck (2002a) kann man jedoch auch ein Männchen mit mehreren Weibchen halten.

Grade in Kombination mit anderen Schneckenbuntbarschen (ein entsprechend großes Becken vorausgesetzt) erlauben sie faszinierende Beobachtungen und Vergleiche im Verhalten der Tiere. Vielleicht konnte dieser Bericht ja den ein oder anderen überzeugen, sich mal an diesen wundervollen Tieren zu versuchen...

 

Steckbrief

Größe:
Männchen bis 6 cm, Weibchen bis maximal 4 cm.

Wasser
pH-Wert über 7, eher 8, ggf. Filterung über Muschelgruß; möglichst hartes Wasser; Temperaturen zwischen 25 und 27°C.

Haltung
Bodenfisch, als Bodengrund dient Sand. Es sollten reichlich im Becken verteilte Schneckenhäuser angeboten werden. Steine und ggf. Pflanzen sind als Deckung bei Streitigkeiten unerläßlich. Das Becken sollte nicht zu klein sein - ein Paar beansprucht bei mir 2/3 des 1,20 m Beckens. Haltung paarweise, nach Staeck (2002a) ggf. auch ein Männchen mit mehreren Weibchen.

Verhalten:
Sehr mutige und wehrhafte Tiere, aber gegenüber ihren Mitbewohnern eher verträglich. Beanspruchen auch nur wenig Raum oberhalb ihres Revieres, daher gut mit freischwimmenden Fischen zu vergesellschaften. Vorsicht ist aufgrund der innerartlichen Aggression insbesondere bei Vergesellschaftung mit den ähnlichen Schneckenbuntbarschen L. ocellatus, L. meleagris und N. wauthioni geboten. Schneckenbuntbarsche wie N. multifasciatus können - ein entsprechend großes Becken vorausgesetzt - problemlos vergesellschaftet werden. Zeigt ein sehr interessantes Verhalten beim Vergraben seiner Schneckenhäuser, ist deutlich weniger grabefreudig als N. multifasciatus.

Zucht
Haben sich das angehende Zuchtpaar ersteinmal zusammengerauft (und das ist wörtlich zu nehmen!), ist die Zucht problemlos. Je nach weiterem Besatz werden viele Jungtiere trotz der elterlichen Wachsamkeit gefressen, daher sollten sie ggf. in ein seperates Aufzuchtbecken überführt werden.

Futter
Zumindest meine Nachzucht-Tiere, die ich halte, nehmen die üblichen Futtersorten ohne Probleme; Futter möglichst abwechselungsreich - Flocke, gefrorenes und Lebendfutter im Wechsel.

 

Literatur

Staeck, W. (2002a): Vergleichende Beobachtungen an Schneckenbuntbarschen aus dem Tanganjikasee. Aquaristik Fachmagazin 168,4-13

Staeck, W. (2002b): Zur Verhaltensbiologie eines Schneckenbuntbarsches aus dem Tanganjikasee Neolamprologus ocellatus. Aquaristik Fachmagazin 168,14-17

Brichard, P. (1999): Atlas der Tanganjikasee Cichliden Band II. 1. Auflage; bede-Verlag, Ruhmannsfelden.

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Letzte Änderung: Thursday, 05-May-2005 20:45:13 CEST
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